
Novalis’ Gedicht „An den plauischen Grund“ entstammt dessen dichterischem Jugendnachlass. Das schwärmerische Poem in sapphischen Strophen, wahrscheinlich zu Übungszwecken verfasst, wird auf 1788/89 datiert, als der spätere Dichter und Salinenassessor noch als Heranwachsender in Weißenfels lebte. Darin vergleicht der damals 16- oder 17-Jährige die Hänge an der Weißeritz im Südwesten von Dresden mit dem griechischen Tempe-Tal, in der Antike ein Inbegriff landschaftlicher Schönheit. Mit Hüon und Alfonsen klingen Lektüren von Wielands „Oberon“ nach, und auch der Pinsel wie überhaupt die Schlusswendung (laut Kommentator Richard Samuel eine Art emphatischen Verstummens, Aposiopese) sind dem von Novalis verehrten Dichter und Weimarer Prinzenerzieher entlehnt. Mit Gesner ist der ebenfalls geschätzte Salomon Gessner, Schweizer Dichter und Maler von Idyllen, gemeint.
Ob Novalis, als er das Gedicht verfasste, den Plauenschen Grund selbst schon einmal in Augenschein genommen hatte oder sich auf Imagination stützen musste, bleibt offen. Zwar hatte sein Vater 1774 die Vormundschaft über den verwaisten Dietrich von Miltitz übernommen, der bei Meißen aufwuchs, und damit einen Bezug zur Region. Gemeinsame Reisen dorthin mit dem Sohn scheinen jedoch nicht belegt. Vom jugendlichen Friedrich von Hardenberg sind nur wenige Briefe überliefert, und Tagebuchaufzeichnungen setzen erst später ein. Die Beschaffenheit des Plauenschen Grunds könnte ihm auch durch Stiche und Berichte geläufig gewesen sein.


























